Hilfiker-Kunstpreis 2008

 

 
 

 
 

Der erstmals vergebene «Hilfiker-Preis für Fotografie und neue Medien» geht an die in Luzern ausgebildete und in St. Gallen lebende Mirjam Kradolfer (*1979).

 

Mirjam Kradolfer hat die Jury mit ihrer im Jahr 2007 entstandenen Arbeit Alterierte Porträts (August Sander) überzeugt. Als Vorlage für diese das Medium Fotografie selbst reflektierende Serie von Bildnissen dient ihr August Sanders (1876-1964) berühmter Versuch einer Typologisierung des »deutschen Menschen« - eine über die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts entstandene umfangreiche Porträtserie, aus der etliche Aufnahmen zu veritablen Ikonen der Fotokunst geworden sind. Kradolfer ersetzt die Gesichter von Sanders Menschen des 20. Jahrhunderts durch ihre eigenen Gesichtszüge, die sie subtil in die historischen, zu diesem Zweck digitalisierten Aufnahmen einpasst. In der Aneignung der Sanderschen Bilder, die als frühe Beispiele einer sachlich-konzeptuellen Fotografie gelten können, akzentuiert die Künstlerin deren bild- und gesellschaftskritische Stossrichtung. Es gelingt ihr, die oszillierenden und nicht weniger irritierenden Beziehungen zwischen Individualisierung und Typisierung im fotografischen Porträt wieder virulent zu machen.