Alex Silber

EITLE ELITE – Papierarbeiten (as paper works)

6. Juni bis 6. Juli 2019

 

 
 

 
 

EITLE ELITE – Papierarbeiten, as paper works,wie Papier arbeitet, eine Ausstellung mit Arbeiten auf Papier, mit Arbeitspapieren: Ausgedrucktes, Beschriftungen, Botschaften, Eingebungen, Erstgedanken, Flugblätter, Gedankenstützen, Hintergedanken, Imagologie, Kryptographie, Kopien und Unikate, Manifeste und Merkblätter, Notate, Orakel, Pamphlete, Rätselschriften, Selbstberichte, Schlagworte, Schlagzeilen, Sprengsätze, Schreibweisen, Schriftbilder, Titelgeschichten, Titelschichten, Titelhelden, Typosophie, Wertpapiere aus dem Zettelkasten ..., aus dem Off, Versuchsanordnungen vom Hörensagen des Sprachgebrauchs. Im Kontext leben die Buchstaben ihr Wesen aus.

TEXT UND BILD sind dem in Basel geborenen Künstler (1950) seit Anbeginn seines Schaffens ein zentrales Arbeitsfeld geblieben. Die Ausstellung versammelt neuere Werke aus verschiedenen Konvoluten, die mit Big Footnotes, Magic Cleaning oder Selected Writings überschrieben sind. Als Einzelblätter oder in gebündelten Seiten wird der Werkblock seit 1971 unter dem Titel «Der zeitgenössische Bleistift» (The contemporary Pencil) geführt. Texte zur Kunst, Kunsttexte oder generell Verschriftlichungen, werden seit längerem auch unter AS/PS, Alex Silber – Permanente Schreibe, zusammengefasst. Gedanken, zu mehrheitsfähigen oder eigensinnigen Statements gruppiert, entstehen zumeist in rascher Folge. Bis ein oder mehrere Blätter sich in sich fortwährend ändernden Auslege- und Versuchsanordnungen behaupten kann geraume Zeit vergehen. Von Hand Niedergeschriebenes kann so durchaus zu einem Typoskript, eine Kopie davon wiederum zu einem Original mutieren. Der «Lesestoff» des Materials sieht sich dem Iconic Turn ausgesetzt, den Auswirkungen des analogen und digitalen Medienwandels. Der ikonische und kontextuelle Zusammenhang nimmt durch den individuellen Zugriff von Bild- und Textselektion das allmähliche Verschwinden der Handschrift sowie das Verfertigen der Gedanken beim Sehen in Anspruch ... Während wir uns daran erinnern, dass Ikonen zur Visualisierung der Gottesmacht eingesetzt wurden, wobei die Idee oder Inspiration vom Gottesbild dem Prinzip der Unerreichbarkeit des Göttlichen unterstellt und im fortwährenden Kopieren eines heiligen Antlitzes zu üben war, bleibt das Fragen nach der Macht des Bildes weiterhin aktuell. Sowohl in der künstlerischen als auch in der rezeptiven Aneignung bleibt ein Duplikat gleichermassen Unikat. Das heisst, der Wert eines Bildes liegt letztendlich einer selbstbestimmten Wirkungsmacht zugrunde. Den Papierarbeiten von Alex Silber scheint das ins Gesicht geschrieben.

Alex Silber (*1950) Autor, Performer und Zeichner, ist seit 1971 mit Auftritten, Bildwerken und Texten unterwegs. Die 1970/1980er Jahre waren bestimmt von selbstdarstellerischen Fotobildern und Videos. Längere Aufenthalte in Brasilien und den USA (1983-92) prägten die Arbeitsweise.
Die Transformation von Sprachformen durch medial unterschiedliche Zugriffe sind zentrales Anliegen (Körpersprache/Sprachkörper). Immer wieder sind in den Arbeiten auch andere Künstlerinnen und Künstler präsent, die im Gesamtwerk eine Rolle spielen.

 

HKP_Karte A6_Alex Silber_LOW.pdf