Anna-Sabina Zürrer

14. April bis 14. Mai 2016, Mittwoch bis Samstag jeweils 13:00–17:00

Donnerstag, 5. Mai 2016 (Christi Himmelfahrt) geschlossen.

 
 

 
 

Chemische und physikalische Prozesse, überhaupt: Prozesse spielen in Anna-Sabina Zürrers (*1981 im Kt. Zürich) Schaffen eine zentrale Rolle. Die im Kanton Obwalden lebende Künstlerin interessiert sich für den Zerfall und die Verwandlung verschiedenster Materialien, seien es hochartifizielle Gegenstände oder in der Natur vorgefundene. Flüssige Bücher, ausgelöste Farbpigmente, in Essenzen konzentrierte Düfte ergeben sich aus den verschiedenen Praktiken, die Anna-Sabina Zürrer nicht selten als Performances vor Publikum zur Anwendung bringt oder in Form von Videos nachvollziehbar macht.


Vier Jahre ist es her seit der ersten Einzelausstellung von Anna-Sabina Zürrer bei Hilfiker Kunstprojekte – es war damals die erste Einzelausstellung der Künstlerin überhaupt, und schon damals waren Transformationsprozesse im weiteren Sinne charakteristisch für die gezeigten Arbeiten. In der Zwischenzeit hat sich das Oeuvre vergrössert, entwickelt. Einzelpräsentationen und Ausstellungsbeteiligungen in teils namhaften Institutionen – Kunstmuseum Luzern, Museum Tinguely Basel, Kunstmuseum Solothurn und die aktuelle Beteiligung an der Biennale Marrakech im Rahmen des Partnerprojektes «Laboratoire de la mondialité» des KE’CH Collective – sind in Anna-Sabina Zürrers Curriculum mittlerweile zu verzeichnen.


Nicht nachgelassen hat bei der Künstlerin die Faszination für in mehrfacher Hinsicht «gemachte» Bilder: Das Diapositiv als inzwischen veraltetes, unzeitgemässes Bildmedium spielt hierbei eine Hauptrolle. Von einiger Bedeutung ist ferner, dass beim Dia der Zerfallsprozess, dessen Beschleunigung Anna-Sabina Zürrer inszeniert, immer schon, seit dem Moment der Herstellung, im Gange ist. Dies manifestiert sich auch an jenem bereits deutlich verfärbten Diabild, das sich für die aktuelle Ausstellung aufgelöst hat. Wir verfolgen dessen Auflösung mittels Video, und bekommen das sozusagen synthetisierte Bild wie eine seltene Trophäe präsentiert, als eine farblose Folie, umgeben von einem Rahmen, in welchem sich die herausgelöste Farbe aufgesogen hat.


Bezeichnenderweise verwendet Anna-Sabina Zürrer hier nicht einfach irgendein Diapositiv, sondern eines aus dem aufgelösten(!) Bestand eines Kunsthistorischen Universtätsinstituts – Generationen von Kunsthistoriker und Kunsthistorikerinnen haben sich mittels derlei Bildmaterials Wissen über die Kunst der vergangenen Jahrhunderte angeeignet. Häufig erfolgte die Sichtung eines Werks in einer Diaprojektion statt der zeitlich und finanziell nicht möglichen Betrachtung des Originals in einem der grossen Museen der Welt. So mag auch die vorliegende einstige Detailaufnahme aus Hieronymus Boschs Triptychon «Die Versuchung des Heiligen Hieronymus» (1516) –von Anna-Sabina Zürrer aus reinem Interesse am Werk aus einer Unzahl von Bildvorlagen ausgewählt– vielen Studentinnen und Studenten den Zugang zum Werk des flämischen Künstlers ermöglicht haben, dessen Todestag sich heuer zum fünfhundertsten Mal jährt.