Christina Peretti

10. November bis 17. Dezember 2016, Mittwoch bis Samstag jeweils 13:00-17:00

Donnerstag, 8. Dezember 2016 (Mariä Empfängnis) geschlossen!

 

 

 
 

 
 

Die Künstlerin Christina Peretti setzt sich mit Prozessen des Assoziierens, des Erinnerns, des Vergessens, der Entstehung und Zerstörung, des Erfassens und des Entgleitens auseinander. Es sind Abläufe, welche sie in der Kunst, in neurologischen oder geologischen Vorgängen wieder erkennt. Geologie bildet für Christina Peretti daher eine Art Parallelwelt zu ihrer Kunst. Geologische Metaphern wie Kristall, Eis, Vulkan, Sediment, Luft setzt sie zur Bezeichnung künstlerischer Prozesse ein und verbindet so Naturobjekte mit ihrer Kunst.


Das Medium der Zeichnung untersucht sie dabei in immer neuen Formen. Ihre dynamischen und kraftvollen Zeichnungen erscheinen auf Papierträgern, Glas- oder Kristalloberflächen, finden sich in digitalen Medien wie Video und Fotografie oder sind interdisziplinär mit dem Tanz verknüpft. Eine neue Arbeit entwickelt Peretti zwischen analogen und digitalen Medien hin- und herwechselnd. Dazu sagt sie: Der digitale Raum eröffnet eine unendliche, dynamische und vielschichtige Spielwiese. So sind komplexe Themen mit Bild, Bewegung und Sound zugleich vernetzbar. Das Analoge hingegen erdet, bringt den Kontakt zurück zum sinnlichen Material und zwingt zu klaren und einfachen Entscheidungen.

 

zitrin / rubin, 2016

In der Arbeit «zitrin / rubin» beschäftigt sich Peretti mit zwei Edelsteinsorten. Den Rubin, der im Vulkaninnern entsteht, sieht sie als Metapher eines vulkanischen, chaotischen Erschaffungsprozesses, einer Veränderung und Weiterentwicklung. Der Zitrin steht für eine dazu gegensätzliche, auffrischende Klarheit, für Ruhe und Struktur. Entlang dieser Pole, die wie zwei Seiten einer Münze eine harmonische Einheit bilden, entwickelt sich die Arbeit. In ihren Bildern verbindet Peretti exakte Beobachtungen kristalliner Strukturen mit wiederum durch diese Strukturen ausgelösten Erinnerungen und Assoziationen.


Bereits im Vorprojekt «Rubin / Peridot, 2014» hat Peretti diese Gegensätzlichkeit anhand von zwei verschiedenen Edelsteinsorten untersucht.

 

«Fleeting Lines Nr. 2, Aspekt Rubin», 2016

Dasselbe Thema des Rubins, der sich in abwechselnden Modi zwischen Druck / Einengung oder Ausbruch / befreiender Energie im Erdinnern entwickelt und so für einen kreativen Prozess steht, hat Peretti auch in der parallel entstandenen Arbeit Fleeting Lines Nr. 2 verfolgt.

 

Indem Peretti unterschiedliche Perspektiven aus dem Tanz, der Kunst und der Fotografie verbindet, entwickelt sie eine für sie neue Zeichentechnik: Anhand von LED-Lampen, die an ihren Händen und Füssen befestigt sind, erstellt sie vor einem Felsgebirge LED-Licht-Zeichnungen in der Luft. Die performativen Zeichnungen werden wiederum im Medium Fotografie vom Kameramann Lukas Gut dokumentiert. Vorbereitete Choreografie-Elemente werden durch die vorgefundene Landschaft umgeformt: Hindernisse wie Felsbrocken, Schräglagen oder die eingeschränkte Sicht am Berg schränken Bewegungen ein, verändern diese oder inspirieren zu neuen Bewegungen. In der Verbindung von LED-Licht-Zeichnung, Körperposition und Landschaftsbeleuchtung entsteht eine neue, fiktive Bildlandschaft.

 

Peretti setzt sich überdies mit der Flüchtigkeit an sich auseinander. Die Luft und das Licht, beides Träger des Vergänglichen, Schnelllebigen, Unfassbaren, Immateriellen ... Das Paradoxon zwischen dem Ergreifen-Wollen und dem Sich-Entziehen ist Thema der Arbeit, wobei der Zusammenhang zwischen Körperbewegung, Zeichnung, Fixierung und Entgleiten erneut untersucht wird. Bewegungen, Linien, Gedanken und Assoziationen sind für einen Betrachter nur ansatzweise – in der Form von fotografischen, statischen Auszügen – erfahrbar: das Spiel zwischen Licht / Schatten, Aufdecken / Verbergen, Bewegung / Starre, Enge / Freiraum hält stets ein Geheimnis zurück.